das online-magazin sozialer arbeit, gesellschaft und lebenskunst - vom Dienstag, dem 07.09.10

Männer - Identitäten und Verhalten heute

Eine neue sozialwissenschaftliche Studie, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, entdeckt Männer neu.
Ein Buch von Dr. C. Wippermann, Dr. M. Calmbach und Katja Wippermann: "Männer: Rolle vorwärts, Rolle rückwärts?" 

Zu einigen wichtigen Ergebnissen:

  • Die Studie macht vier Haupttypen männlicher Geschlechteridentität aus:
    der postmoderne Mann, der starke Haupternährer der Familie, der moderne Lifestyle-Macho, der moderne neue Mann
  • Das Set klassisch-männlicher Eigenschaften hat bei einem großen Teil der Männer seinen Charme, seinen Leitbildcharakter verloren und ist zum Teil diskreditiert.
  • Gleichstellung trennt heute nicht mehr die Geschlechter, sondern Generationen und Milieus: Männer sind in ihren Einstellungen oft weiter, als die alltäglichen Strukturen es zulassen.
  • 'Neue Männer' sind in den obersten Führungsetagen nur selten zu finden. Hier ist weiter das Bild vom 'starken Mann' attraktiv und Voraussetzung für den Eintritt in diese Etagen und Netzwerke. Es wird in oberen Führungsetagen oft ein Männerbild gefördert und belohnt, dass viele gar nicht haben.
  • Durch biographische Ereignisse, z.B. Heirat, erstes Kind, beruflicher Umzug, rutschen emanzipierte Männer mit ihrer Partnerin oft innerhalb kürzester Zeit in eine traditionelle Rollenverteilung, die beide nie wollten.

Die Studie kommt u.a. zu folgenden Schlüssen:

  • Moderne Gleichstellung sollte Männer nicht nur auf ein Mehr an Verpflichtungen reduzieren.
  • Es ist zu bemerken, dass Männer 'nicht emanzipiert werden wollen', also kein passives Objekt, mit dem etwas gemacht wird. Sie wollen selbst Akteure des Entwicklungsprozesses sein.

Quelle und weitere Informationen:
- sinus-news linkverweis

Armer Mann, was nun?

Neue Geschlechteridentitäten, Gleichstellungsfragen und posttraditionelle Rollenverteilungen; die Praxis erfordert aus meiner Sicht noch wesentlich erweiterte Wahrnehmungen, als die vorgelegte Studie realisiert. 
Annabel Wahba lenkt z.B. den Blick auf die Feuerprobe mancher Beziehung, in der Frauen mehr verdienen als ihre Männer (ZEITmagazin Nr. 42, vom 08.10.09, S. 12 ff.). Sie beschreibt nicht nur das unter Umständen angekratzte (traditionelle) Selbstbewusstsein von Männern. "Erstaunlich viele Managerinnen ..., die mehr verdienen als ihre Partner, erzählen, dass sie es sind, die mit der Situation ein Problem haben, und nicht ihre Männer. ... Viele Frauen verlieren, wenn sie die Erfolgreicheren sind, den Respekt vor dem beruflich erfolgloseren oder weniger motivierten Partner. Eine der Frauen ... erzählt, dass sie in so einer Situation die ersten Affären begann. ... 'Er saß abends immer zu Hause und wartete auf mich. Ich konnte ihn einfach nicht mehr ernst nehmen', sagt sie über ihren Exmann." Oder eine andere: "Wir sind abends kaum mehr ausgegangen, weil er sich nicht einfach von mir einladen lassen wollte und ich dazu ehrlich gesagt auch zu geizig gewesen wäre."
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